Eine Erkältung kommt oft ungelegen. Für pflegende Angehörige kann sie allerdings schnell zu einem echten Problem werden: Was passiert mit der täglichen Pflege, wenn man selbst Husten, Schnupfen oder Fieber bekommt?
Einfach ins Bett legen und auskurieren ist nicht immer möglich, wenn jemand auf Unterstützung angewiesen ist. Gleichzeitig möchte niemand einen pflegebedürftigen Angehörigen unnötig mit einem Infekt anstecken.
Die gute Nachricht: Nicht jede Erkrankung bedeutet automatisch, dass die Pflege zu Hause nicht mehr möglich ist. Wichtig ist, die eigene Situation realistisch einzuschätzen, Kontakte bei Bedarf zu reduzieren und rechtzeitig Unterstützung zu organisieren.
Das hängt vor allem davon ab, wie stark Sie erkrankt sind und welche Unterstützung Ihr Angehöriger benötigt. Bei leichten Beschwerden lässt sich der notwendige Kontakt im gemeinsamen Haushalt häufig nicht vollständig vermeiden. Dann können einige Maßnahmen helfen, das Ansteckungsrisiko zu reduzieren:
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit empfiehlt bei Atemwegsinfektionen, nach Möglichkeit zu Hause zu bleiben und direkte Kontakte insbesondere zu älteren Menschen und Personen mit erhöhtem Risiko für schwere Krankheitsverläufe zu vermeiden. Das RKI empfiehlt bei akuten Atemwegssymptomen ebenfalls eine Maske zum Fremdschutz, wenn ein enger Kontakt mit einer Risikoperson nicht vermieden werden kann.
Wer normalerweise allein für die Pflege zuständig ist, sollte bei einer eigenen Erkrankung nicht versuchen, alles wie gewohnt weiterzumachen.
Vielleicht können Angehörige, Freunde oder Nachbarn einzelne Aufgaben übernehmen:
Schon kleine Entlastungen können dabei helfen, dass die erkrankte Pflegeperson sich ausruhen kann und trotzdem die notwendige Versorgung sichergestellt bleibt.
Wenn es im persönlichen Umfeld niemanden gibt, der kurzfristig einspringen kann, kann auch professionelle Unterstützung durch einen Pflegedienst wie Solitas eine Möglichkeit sein.
Bei einer leichten Erkältung ist der Pflegealltag möglicherweise weiterhin zu bewältigen. Bei stärkerer Erkrankung sieht das anders aus. Wenn Sie beispielsweise hohes Fieber haben, sich sehr schwach fühlen, unter Atemnot leiden oder körperlich nicht mehr in der Lage sind, Ihren Angehörigen sicher zu unterstützen, sollten Sie die Pflege nicht einfach wie gewohnt fortsetzen.
Das gilt besonders bei Tätigkeiten, bei denen Ihre körperliche Belastbarkeit wichtig ist – etwa beim Aufstehen, Umsetzen oder bei der Unterstützung beim Gehen.
Die eigene Erkrankung ernst zu nehmen, ist kein Zeichen dafür, dass Sie Ihren Angehörigen im Stich lassen. Im Gegenteil: Wer rechtzeitig Unterstützung organisiert, sorgt dafür, dass die Versorgung auch dann sicher bleibt, wenn die eigene Kraft gerade nicht ausreicht.
Auch dann heißt es zunächst: beobachten und Ruhe bewahren. Eine Erkältung kann mit typischen Beschwerden wie Schnupfen, Husten oder Halsschmerzen beginnen. Gerade bei älteren Menschen können sich Infektionen jedoch unterschiedlich zeigen. Nicht immer steht beispielsweise hohes Fieber im Vordergrund.
Achten Sie deshalb nicht nur auf einzelne Symptome, sondern auch auf Veränderungen des Allgemeinzustands.
Wichtig können beispielsweise folgende Veränderungen sein:
Bei Menschen über 60 Jahren, chronisch Erkrankten und anderen Risikogruppen empfiehlt das RKI bei Verdacht auf Influenza oder COVID-19 eine frühzeitige ärztliche Rücksprache. Auch wenn Beschwerden nach einigen Tagen nicht besser werden oder sich wieder verschlechtern, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden. (Robert Koch-Institut)
Bei starken oder plötzlich auftretenden Beschwerden sollte selbstverständlich unverzüglich medizinische Hilfe gesucht werden.
Bei einem Infekt kann es leicht passieren, dass ältere Menschen weniger trinken als üblich – beispielsweise weil der Appetit fehlt oder sie sich allgemein schlecht fühlen.
Bieten Sie deshalb regelmäßig Getränke an und stellen Sie sie so bereit, dass sie gut erreichbar sind.
Was und wie viel getrunken werden sollte, kann allerdings von der individuellen gesundheitlichen Situation abhängen. Bei bestimmten Erkrankungen kann beispielsweise eine begrenzte Trinkmenge erforderlich sein. Wenn Sie unsicher sind, sprechen Sie mit der behandelnden Arztpraxis oder dem Pflegedienst.
Gerade wenn mehrere Personen im Haushalt erkrankt sind, kann der Pflegealltag schnell anstrengend werden. Dann helfen vor allem klare Abläufe: Wer übernimmt welche Aufgabe?
Vielleicht kann eine Person die Einkäufe übernehmen, während eine andere die Pflege unterstützt. Auch Lieferdienste oder Angehörige, die telefonisch erreichbar sind, können vorübergehend entlasten.
Wichtig ist außerdem, sich nicht gegenseitig unnötig anzustecken. Regelmäßiges Lüften, Händehygiene, Husten- und Niesregeln und – wenn erforderlich – das Tragen einer Maske können dazu beitragen, die Weitergabe von Atemwegserregern zu reduzieren.
Überlegen Sie am besten schon dann, wenn alle gesund sind: Was passiert, wenn die Person, die normalerweise pflegt, für einige Tage ausfällt?
Eine kleine Notfallliste kann dabei helfen. Darauf könnten zum Beispiel stehen:
So müssen Sie diese Informationen nicht erst zusammensuchen, wenn Sie selbst krank im Bett liegen.
Nicht jede zusätzliche Belastung muss innerhalb der Familie aufgefangen werden. Wenn Sie selbst erkrankt sind, vorübergehend beruflich besonders eingespannt sind oder die Pflege Ihres Angehörigen zunehmend mehr Zeit und Kraft benötigt, kann ein ambulanter Pflegedienst entlasten.
Professionelle Pflege kann beispielsweise dabei unterstützen, wenn bestimmte Tätigkeiten im Alltag nicht mehr allein bewältigt werden können oder Angehörige zeitweise nicht zur Verfügung stehen.
Auch eine Beratung kann sinnvoll sein, wenn Sie noch nicht genau wissen, welche Unterstützung in Ihrer Situation überhaupt infrage kommt.
Eine Erkältung gehört für viele Menschen zum Herbst dazu. In einem Pflegehaushalt kann sie allerdings zusätzliche Herausforderungen mit sich bringen.
Versuchen Sie deshalb nicht, trotz eigener Erkrankung einfach alles wie gewohnt weiterzuführen. Achten Sie auf Ihre eigene Gesundheit, reduzieren Sie vermeidbare Kontakte und holen Sie sich Unterstützung, wenn Sie sie brauchen.
Denn auch das gehört zur guten Pflege: zu erkennen, wann man etwas nicht allein schaffen muss.
Solitas unterstützt Pflegebedürftige und ihre Angehörigen mit ambulanter Pflege und weiteren Angeboten rund um die Versorgung zu Hause. Wenn Sie Fragen haben oder wissen möchten, welche Unterstützung in Ihrer persönlichen Situation möglich ist, sprechen Sie uns gerne an.